„Allein schon Arbeit“

Dies ist ein Veranstaltungstipp für alle Hamburger, der uns heute erreichte – der Vortrag liegt bewusst am Vorabend des 1. Mai 2013:

Allein schon Arbeit

Veranstaltung zur Kritik der Arbeit, mit Stephan Grigat (Wien)

Datum: 30. April 2013, 18.00 Uhr

Ort:  T-Stube im Pferdestall (so heißt ein Gebäude der Universität Hamburg) , Allende Platz 1, 20146 Hamburg

In ein paar Tagen ist es wieder so weit. „Der Tag der Arbeit“ steht vor der Tür. Schon seit über 100 Jahren fordern abertausende Menschen an diesem Tag Arbeit, Arbeit und nichts als Arbeit. Sei es auf Gewerkschaftsmärschen oder revolutionären Demos, alle sind sich einig und appellieren lautstark an den Staat: „Für uns alle, Gute Arbeit […]“1.

Das Problem dieser Gesellschaft ist allerdings nicht (nur, a.d. R.), dass ihr die Arbeit ausgeht, sondern viel mehr, dass sie trotz ihres enormen Fortschritts, vielen Menschen den Luxus, der für alle realisierbar wäre, vorenthält. Schon Max Weber erkannte in der protestantischen Arbeitsethik das Verlangen dem Leben durch Arbeit und Askese Bedeutung zu verleihen. Gegenüber ebendieser Vorstellung von „ehrlicher christlichen Arbeit“ etablierte sich im 15. Jahrhundert ein antijüdischer Hass, der ein Bild vom „arbeitsscheuen und raffenden Juden“ zeichnete, denen “[…] man ihre Synagoge oder Schule mit Feuer anstecke […] Dass man auch ihre Häuser und dergleichen zerbrechen […] Dafür mag man sie unter ein Dach oder Stall tun, wie die Zigeuner.“.2

Martin Luther, der Urheber der Reformation, erweiterte dieses antisemitische Stereotyp und erklärte den „jüdischen Wucher“ als Pendant zur „schaffenden Arbeit“ der Christen.

Der Nationalsozialismus adaptierte dieses Schema für seine „Rassenhygiene“. Unter dem grausamen Leitspruch “Arbeit macht frei” wurden Jüdinnen und Juden zur Arbeit gezwungen und in der Strategie “Vernichtung durch Arbeit” ermordet.3

Heute finden sich Arbeitswahn und eine falsche Kapitalismuskritik, die die abstrakte Sphäre der Verwertung gerne im „Finanzkapital“, in der „Zinsknechtschaft“, bei „ den Bonzen“, „Kapitalisten“ und „Spekulanten“ wittern, in nahe zu allen politischen Lagern wieder. Diese Reaktion auf eine ungleiche Verteilung von Wohlstand ist allerdings das Gegenteil einer notwendigen und emanzipatorischen Kritik an den Verhältnissen.4

Fließband

In der 13. Veranstaltung der „Allein schon…“-Reihe werden wir uns mit dem Begriff der deutschen Arbeit, dem damit zusammenhängenden Antisemitismus und seiner Kritik befassen. Hierfür haben wir den Wiener Publizisten und Politikwissenschaftler Stephan Grigat eingeladen.Wir freuen aus auf euer zahlreiches Erscheinen und eine lebendige Diskussion,

Euer studentisches Milieu

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1 DGB Bezirk West (Rheinland-Pfalz / Saarland)

2 Luther, Martin (1543): Von den Juden und ihren Lügen, WA 53, S. 523 ff.

3 „Hinsichtlich der Vernichtung asozialen Lebens steht Dr. Goebbels auf dem Standpunkt, dass Juden und Zigeuner schlechthin, Polen, die etwa 3 bis 4 Jahre Zuchthaus zu verbüßen hätten, […] vernichtet werden sollten. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste.“. Nürnberger Dokument PS-682, zitiert nach Jens-Christian Wagner: Das Außenlagersystem… In: Ulrich Herbert et al. (Hrsg.): Die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Frankfurt/M 2002

4 Dazu empfehlen wir den Mitschnitt unserer Veranstaltung “Allein schon Kapital” (hier)

 Info zur Person:

Stephan Grigat ist Lehrbeauftragter für Politikwissenschaft, Philosophie und Judaistik an der Universität Wien. Er ist Autor von “Fetisch & Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus.“ (Freiburg: ça ira 2007), Herausgeber von „Postnazismus revisited. Das Nachleben des Nationalsozialismus im 21. Jahrhundert.“ (Freiburg: ça ira 2012), publiziert u.a in der taz, Jungle World (siehe z.B. hier), Konkret und in Österreich in Die Presse und Der Standard. Stephan Grigat ist Mitglied bei Cafe Critique und wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Kampange Stop the Bomb.

Anfahrt T-Stube

Infoseite ARBEITSUNRECHT IN DEUTSCHLAND: (hier)

Das Märchen vom Fachkräftemangel (Video hier)

Arbeit tötet – hier am Beispiel Frankreich – Bericht in JUNGE WELT (hier)

Nieder mit dem Lohnsystem – Interview mit Lothar Galopp-Bergmann (hier)

Irrsinn des Pro-Arbeitsplatz-Argumentes – witzig erklärt per Kabarett (Video hier)

Fetisch Arbeit – eine Reflexion der gesellschaftlichen Arbeitsform von Maria Wölfingseder (hier)

Arm und reich – Das Monopoly-Experiment 2018 entlarvt die falsche Selbstwahrnehmung erfolgreicher Marktteilnehmer und somit auch die eigenen, völlig überschätzenden Fähigkeiten und alle daraus abgeleitete Argumente und Ideologien – berichtet Der Spiegel (Video)

Auf dem Weg zur Arbeit wird die Charaktermaske schnell noch aufpoliert (hier)

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