Das Netzwerk des Kapitals…

Am 25. Oktober 2011 veröffentlichte die Redaktion der Zeitschrift SEIN einen Artikel, der die neusten Forschungsergebnisse zur Netzwerkbildung der Weltwirtschaft darstellt. Diesem Ausgangsartikel sollte einige Aufmerksam zu Teil werden, weshalb ich an dieser Stelle explizit auf ihn als empirische Referenz verweisen möchte. Er ist äußerst hilfreich im Rahmen einer wertkritischen Analyse des Kapitalismus!!!

Ausgangsartikel SEIN.de

Das in dem Artikel vorgestellte Untersuchungsergebnis trägt erheblich zum Verständnis und zur gedanklichen Entflechtung der Komplexität bei, bestätigt es doch einige grundlegende ökonomische Gesetze der Kapitalakkumulation, wie die „Konzentration des Kapitals“ innerhalb der Wertschöpfungsketten, sowie darauf folgend die „Zentralisation des Kapitals“ in den Händen großer Konzerne bei gleichzeitig schrumpfender Gesamtanzahl an Unternehmen (mehr).

Charakteristisch dabei ist, dass es in der historischen Phase, des sich selbst zu seiner Rettung künstlich aufblasenden Spätkapitalismus, vor und nach der Jahrtausendwende des Jahres 2000 herum, anstatt produktiver Unternehmen, reine Finanzdienstleister sind, die innerhalb des Gesamtkapitals die Nase vorn haben. Das verweist auf die bereits drei bis vier Jahrzehnte lange „Entsubstanzialisierung des Kapitals“ insgesamt (Abschmelzen der menschlichen Arbeit, die durch Technik ersetzt wird und so stetig weniger „echten“ Mehrwert generiert – siehe), wobei die gerade heftig gescholtenen Finanzblasen und Zinseszinseinnahmen im Kern das sind, was die so genannte „Realwirtschaft“ als Kompensationsmechanismus überhaupt noch trägt und wertmäßig am Leben hält – quasi simulierte Mehrwertproduktion. Die daraus erzielten Einkommen treten nämlich als Kaufkraft auf den Märkten in Erscheinung. Andernfalls wäre die Marktwirtschaft aka die kapitalistische Produktionsweise von Wert (= bürgerliche Gesellschaft von „Konkurrenzsubjekten“) schon längst zum Erliegen gekommen. Nur ein „Ökonomisches Doping“ erhält das Akkumulationsregime noch aufrecht (mehr).

Dieser fundamentale Zusammenhang erfährt bislang aufgrund der immer noch dominierenden Denkweise der BWL/VWL, sowie deren „kleinbürgerlich-ideologischer Derivate“ (Zinskritik, Geldreform), kaum die gebührende Beachtung, wird nur beiläufig oder gar nicht erwähnt. Lediglich die sich davon grundlegend unterscheidende, fortschrittlichste aller derzeitigen Strömungen und Denkschulen der Gesellschaftstheorie, die „moderne Wertetheorie / Wertabspaltungstheorie“, widmet sich diesem Themenkomplex adäquat seiner grundlegenden Bedeutung innerhalb der ganzen „warenproduzierenden Moderne“ und ihrer Krisendynamik. Dort werden andere Kategorien für die Analysen verwendet, kausale Zusammenhänge konsequent aufdeckt und Argumente zur Kenntnis genommen. Man stellt sich Gegenargumenten und diskutiert Sachverhalte richtig tief gehend aus. Der hohe, eigene, wissenschaftliche Anspruch ist da offensichtlich ein Vorteil. Diese ziemlich neue Denkschule (seit Mitte der 1980er Jahre) stellt sich sogar einer kritischen Analyse ihrer eigenen Entwicklungsgeschichte (hier und hier).

Exit Redaktion

Die Struktur des im Ausgangsartikel von den Wissenschaftlern beschriebenen kapitalistischen Netzwerkes entspricht den kaufmännischen, zumeist technisch-elektronischen Fließwegen des Geldes innerhalb von „realen“ und „virtuellen“ Wertschöpfungsketten als einer ursprünglich speziellen, „ausgesonderten Ware“ (Marx), die sich von ihrer vormals materiellen Form und deren stofflichen Voraussetzungen im Laufe der Verlaufsgeschichte des Kapitals schrittweise entkoppelt hat. Die Konzerne sind die dazugehörige, juristische Form – meistens Aktiengesellschaften oder Konglomerate aus lauter einzelnen GmbH in einer Holding (mehr).

Würde man der Argumentation bürgerlicher Politik folgen – ein Mix aus Keynianismus (staatliche Rettungspakete als allerletzter Notanker) und Neoliberalismus (die Märkte sollen es richten und ihre angeblichen „Selbstheilungskräfte“ entfalten), so müsste man unter allen Umständen diese Spekulationsmöglichkeit erhalten, was mit „Rettungsschirmen“ und „Hebeln“ ja auch versucht wird, womit die Staaten allerdings widersprüchlicherweise zu der zuvor stets bemühten Rhetorik der gescholtenen „Finanzheuschrecken“, selbst zu solchen „Heuschrecken“ mutieren (mehr). Das verschlimmbessert das Problem allerdings nur, indem die finale Frage nach der imaginären Rückzahlung noch weiter in die Zukunft verschoben wird, während alle weiter ungetrübt versuchen Profite zu jagen (nur das zu retten – darum geht es – Gewinne stehen über alles in der Welt!). Wir sollen uns quasi „zu Tode rentabilitieren“ (Robert Kurz), bis gar nichts mehr geht (siehe hierhier und hier).

Dass das auch eher nicht gut enden könnte, dämmert dem bürgerlichen Bewusstsein immer mehr. Man schenkt den Argumentationsmustern, den eigenen Ideologien, Beteuerungen und der hilflosen Besänftigungsrhetorik unserer politischen Führungseliten kaum noch Glauben. Aus gutem Grund. Daher die weltweite OCCUPY WALL STREET-Bewegung „Wir sind 99%“. Deshalb auch die seitens der Wertetheorie / Wertabspaltungstheorie beharrlich grundlegende, wertseitige Kritik an Illusionen wie „soziale Marktwirtschaft“, „Freiwirtschaft“ (hier), „demokratischer Sozialismus“(hierhier), „Monetarismus“(hier), „Keynianismus“(hierhier), „Marxismus“(hier und hier) und dessen Vorstellung vom „Klassenkampf“(hierhier und hier) und „Liberalismus“(hier und hier) in all seinen Erscheinungsformen (Ordoliberalismus, Neoliberalismus – hier) und ähnlichen Formen von Regulationstheorien. Um nichts anderes handelt es sich bei all diesen Varianten des gleichen Grundmusters, in denen jeweils nur ein anderes Akkumulatonsregime favorisiert wird.

OCCUPY Bewegung

Würde man hingegen der Argumentation der  Spekulationskritik (Einführen strenger Regeln, Verbote bestimmter Finanzgeschäfte, Tobinsteuer) folgen und ernsthaft danach handeln, dann würden die bislang fiktiven Zugewinne aus in der „Finanzwirtschaft simulierter Mehrwertproduktion“ (R.Kurz) zwangsläufig abschmelzen oder gar völlig ausbleiben (vgl. Fiktives Kapital). Damit würde jedoch das, was die in zunehmendem Maße „nur noch real erscheinende“, weil längst „entsubstanzialisierte“ und damit „entwertete Mehrwertpoduktion“ innerhalb des „Netzwerks des Kapitals“ wertmäßig über die letzten drei Jahrzehnte noch getragen hat (künstliche Kaufnachfrage), wegfallen. Der Absturz der Weltwirtschaft wäre die unausweichliche Folge: eine Stagnation oder globale Rezession.

Kaum wurde diese Gefahr 2009/2010 vom bürgerlichen Bewusstsein als „Risiko“ (man beachte diesen, die bürgerliche Eigenwahrnehmung sehr anschaulich machenden, blind-systemimmanenten Begriff!!!) realisiert, besonders innerhalb der Banken als „Finanzdienstleister“ und „Manager des Geldverkehrs“, hieß die Devise in Politik und Banken plötzlich, doch nicht mehr so „leicht“ und „großzügig“ Kreditgeschäfte zu tätigen. Das klappte sehr schnell. Damit bekamen aber tausende Unternehmen, besonders Kleinunternehmer und der sonst gepriesene Mittelstand, sofort Probleme, ihre weitere Vorausproduktion und „Geschäftsfelder“ im Sinne der „erweiterten Reproduktion“ zu finanzieren. Der Widerspruch wurde ja quasi nur Hin und Her geschaukelt, aber war so natürlich nicht aufzuheben.

„Kapital“ besteht ja gerade darin, historisch selbst die notwendige Voraussetzung für seine eigene Vermehrung in der „primären Sphäre der Produktion“ von Waren geworden zu sein, denn nur dort entsteht überhaupt „Wert“. Nun beklagten alle eine „Kreditklemme“, was heute, im Jahr 2011, schon wieder aus dem Bewusstsein völlig verdrängt ist und in der Rhetorik gar nicht mehr auftaucht. Soviel zum „Erinnerungshorizont“ der „Marktteilnehmer“.

Deshalb „glaubt“ der Kleinbürger in seinem Wahrnehmungsrahmen auch lieber an einfache Lösungsmodelle mit nur irgendwie „anderem Geld“ z.B. im Sinne der „gesellianischen Zinskritik“ (Zinsverbot, regressive Steuer auf das Geld selbst zur „Umlaufsicherung“) wie „Fließendem Geld“/“Freigeld“ mit einer „Umlaufgebühr“/“Demurrage“, „Regionalgeld“, „Weltgeld“ (vgl. „Geldfetisch“) als lediglich andere Ansätze von rein systemimmanenten Scheinlösungen („monetäre Regulationstheorien“). Dieses quasi Rumdoktorn am Geld selbst, z.B. als formale Flucht in eine neue Währung oder in ein endlich „dem Menschen dienendes Geld“, sowie an kaufmännischen Abrechnungsgrößen wie dem Zins oder Steuermodellen, findet dennoch bzw. gerade im kleinbürgerlichen Bewusstsein immer noch Anklang, nicht wahrhaben wollend, dass der Kern der Problematik damit völlig verfehlt wird, da man sich argumentativ nur innerhalb der „Zirkulationssphäre des Geldes“ bewegt (siehe), anstatt die „kapitalistische Inwertsetzung“ und die innere „Substanz des Kapitals“ (R. Kurz) als alleiniger Quelle von Mehrwert – nämlich kapitalistische Lohn- und Erwerbsarbeit, damit in Zusammenhang zu bringen.

Die Krise ist stets im Kern eine Krise der Arbeitswelt und wird im weiteren Verlauf erst zur Finanzkrise und final zur Krise des Geldes selbst – nicht umgekehrt – wie es die bürgerliche Wahrnehmung zu erkennen meint! (mehr)

Der sich in seiner Ahnungslosigkeit und Unwissenheit nicht mehr so ganz wohl fühlende, zusätzlich auch noch gern an die „Bedeutung des Mittelstandes“ glaubende Bürger (siehe) verbleibt in seiner Angst vor dem sozialen Abstieg (die natürlich völlig berechtigt ist!) und liebevoll an Stammtischen oder Internet-Blogs gepflegten Opferrolle, ruht lieber im Kreis derartiger Rechtfertigungsideologien für die Marktwirtschaft, also gerade der gesellschaftlichen Formbestimmung von „Wert“, welche diese Angst erzeugt. Ein Teufelskreis, aus dem es innerhalb der abstrakten Inwertsetzung kaum noch unentdeckte Fluchttüren gibt, um wenigstens mal Frischluft einzulassen und den falschen, ideologischen Weihrauch zu vertreiben. Es kommt regelrecht zu einer „Himmelfahrt des Geldes“ (mehr).

Der „Glaube“ des bürgerlichen Bewusstseins (mehr) ist hier tatsächlich als Begrifflichkeit ernst gemeint und bedeutet, dass man etwas lediglich annimmt, es aber eben nicht weiß! Man wünscht es sich vielmehr. Wie beim Beten. Die politische Rhetorik abendlicher Talk-Shows der Moderne, die diesen „Glauben“ stets aufs Neue verkünden, erfüllt den gleichen Zweck, wie die Sonntagsreden für die gläubigen Schäfchen einer Kirchengemeinden. Wenn alle daran „glauben“, dann wird es schon stimmen und klappen – denn schließlich kann der „Gaube Berge versetzen“ und „Geist formt und erschafft Realität“. Diese Art „monetärer Spiritualität“ würde aber auch ein „spirituelles Wachstum“ voraussetzen, weshalb man auch regelmäßig Umfragen startet und aus der eigenen Subjektivität und Erwartungshaltung heraus, den „Geschäftsklimaindex“ und „Konsumklimaindex“ ermittelt, um dann irgendwann feststellen zu müssen, dass man dieser eigenen Befangenheit und Kurzsichtigkeit doch lieber nicht hätte vertrauen dürfen, sobald sich herausstellt, dass einen die Krise im wahren Leben doch wieder eingeholt und überrascht hat.

So z.B. in Persona des bis 2009 amtierenden Bundesfinanzministers Peer Steinbrück (siehe), der uns 2007/2008 noch hartnäckig erklärte, die „US-Immobilien- und Bankenkrise sei weit weg“, deutsche Banken dagegen „von grundauf solide und stabil“ und die Krise könne uns nie und nimmer betreffen.

Altkanzler Helmut Schmidt und Peer Steinbrück bei Jauch

Will man aber die Irrationaliät, ja geradezu Borniertheit dieses „Glaubens“ in Gänze begreifen, so erscheint es angesichts dieser geschichtlichen Tatsachen zu Steinbrück, seines gegenüber des eigenen Systems völlig betriebslinden Bewusstseinszustandes, fast ungeheuerlich, dass tatsächlich vor zwei Tagen(!), am 23.10.2011, Bundeskanzler a.D. Helmut Schmidt (siehe), umgeben von weißen Rauchschwaden (sein toleriertes Exklusivrecht im deutschen Fernsehen! – siehe hier und hier) allen Ernstes in einer TV-Talkrunde (natürlich erneut bei Günther Jauch hier) ausgerechnet Peer Steinbrück als seinen „SPD-Wunschkandidaten“ mit dem Hauptargument präsentierte, dieser kenne sich doch so gut aus und wisse schließlich „bezüglich der Krise wovon er spricht“. Solche „Führungspersönlichkeiten“ braucht Deutschland und er sei „der geeignete Mann“, um der zukünftige Bundeskanzler zu sein.

Nun ja. Wer „glaubt“ wird seelig. Aber nicht unbedingt weiser. Nichtmal im Alter von 92 Jahren. Religion funktioniert offenbar noch immer bestens „als Opium fürs Volk“ (Marx).

Ähnliches hatte wir zuvor schon bei Erich Honecker (siehe) beim Ende der DDR und kürzlich von Muammar al-Gaddafi (siehe) und dem Ende seiner Diktatur in Libyen erlebt – jeweils eine komplette Diskrepanz zwischen der, vom Bewusstsein geprägten Wahrnehmung  (dem sogenannten „Repräsentationsparadigma“, Ken Wilber), tatsächlicher Lage und der eigenen, persönlichen Geschichte, in Bezug auf diese Entwicklung und Situation.

Kein Wunder, dass das „SCHWARZBUCH KAPITALISMUS“ (Robert Kurz) im Epilog mit dem Thema der „Vergesslichkeit der Marktteilnehmer“ beginnt, sowie den persönlichen Lebenslügen der „Funktionäre und Charaktermasken des Kapitals“, wie schon Karl Marx diese „Besitzstandsbürger“ nannte (siehe), was uns sehr viel zum erreichten Grad des „bewussten SEINS“, sowie über den wahren Charakter des Systems und seiner „Konkurrenzsubjekte“ verrät, wovon sie sozusagen „beseelt“ sind. Ein weiterer grundlegender Punkt dieser bürgerlichen Psyche und Kultur basiert nämlich im Sinne dieser „Beseelung“ auf der Wechselwirkung von Konkurrenz, Schuld und Haben. Aus all dem lässt sich zweifelsfrei eines ableiten: Das SEIN bestimmt das BEWUSSTSEIN. In jeder Hinsicht.

Das Paradoxe daran: wir reproduzieren durch unser Denken und Fühlen diese Verhältnisse der „Betriebsblindheit“ und „Beseelung“ immer wieder neu. Unsere Kinder werden im Sinne dieses anerzogenen „Glaubens“ bereits in jungen Jahren auf das Leben vorbereitet – oder vielmehr darauf hin konditioniert (vgl. dazu „Das Ende der Konkurrenz“, Robert Betz).

Die Wolkenkratzer der Finanzgiganten in Manhatten, London und Frankfurt/Main fungieren indes als die heiligen Kathedralen und Kirchtürme der Neuzeit. Der Gott ist das Kapital, insbesondere das „heilige Geld“ als zentral gültiger „Fetisch“. Kapitalismuskritik ist deshalb auch als eine Religionskritik an der „Theologie der Moderne“ zu verstehen (hier hier und hier).

SACHZWANG FM - Audioarchiv kritischer Gesellschaftstheorie

Vielleicht wurde durch diese Betrachtungsweise verständlicher, warum an den beiden im Zusammenhang mit dem Ausgangsartikel betrachteten argumentativen Grundrichtungen der Wahrnehmung im „bürgerlichen Bewusstsein“ im Sinne einer regelrechten „Religion“, so beharrlich festgehalten wird. „Glaube“ ist hartnäckig und setzt sich auch auch schon mal über Tatsachen hinweg, selbst dann, wenn sie offensichtlich und die Gegenargumente unlogisch, beliebig oder tautologisch sind.

Beide Argumentationsmuster versuchen stets irgendwie „Markt“ und „Staat“ gegeneinander auszuspielen bzw. „Wachstumsunmöglichkeit“ und damit in Zusammenhang gebracht, lediglich „Fehler im Geldsystem“ zu überwinden, wobei ausgeblendet bleibt, dass diese „Fehler“ jeder „Ware“ anhaften. Gäbe es diese „Fehler“ nicht, könnte keine der scheinbaren Lösungsvarianten funktionieren, da es im Grunde immer auf eine Art „Marktwirtschaft“ hinausläuft, in der die abstrakt-kaufmännische Größe „Gewinn“ vorkommt, womit wir wieder am Anfang des Problems sind.

Offensichtlich bieten also beide Denkrichtungen keinen Ausweg mehr. Dieses Dilemma ist nicht etwa nur hausgemacht, wie gern mit der üblichen Rhetorik behauptet, sondern liegt vielmehr in den Basiskategorien der Marktwirtschaft selbst, wenn man die Kausalketten mal korrekt und vollständig denkt und zurück verfolgt.

Es entspringt also eben gerade nicht allein „gierigen Bankern“, „unfähigen Managern“, schon gar nicht „arbeitsscheuen Hartz IVler“ oder nur „unfähigen Politikern“ (obwohl sie das, wie wir aktuell sehen, durchaus sind). Ethik und Moral haben damit ebenso nichts zu tun, zumal dessen Reste tendenziell „abgerüstet“ werden, sobald sie einem „Gewinn“ nicht zuträglich sind oder wenn sie ihm gar im Wege stehen (mehr). Ebenso wenig liegt die Ursache nur in einzelnen kaufmännischen Größen (Zins und Zinseszins) oder etwa der Problematik der Geldschöpfung (obwohl beide als spezielle, sekundäre Teilprobleme der „Warenform“ durchaus mit beteiligt sind und daher beliebte Alibi-Begründung für die angeblichen Ursachen abgeben), sondern es hat seinen Ursprung im Kapitalismus als Gesellschaftssystem von Produktion/Reproduktion insgesamt, sowie der dazu notwendigen Inwertsetzung per „abstraktem Wert“ an sich (siehe auch)!

Eine detailliertere, sehr konkrete Analyse und Diskussion der Argumente, Vorstellungen und Ideen der Geldreformbewegung (hier) inkl. Regionalgeld, Komplementärwährungen sowie Zinsproblematik folgt demnächst (hier). Eine ganz grundsätzliche Aufarbeitung des Themas durch die Wertetheorie existiert bereits seit 1995 (hier).

Marktwirtschaft (warenförmige Konsumgesellschaft) – um nichts anderes handelt sich es beim „Kapitalismus als Produktionsweise“ also – basiert auf dem grundlegenden Widerspruch zwischen stofflichem Reichtum und wertmäßigen Reichtum (mehr). Den kann ich nicht innerhalb einer Seite auflösen, sondern nur, indem ich mutig und entschlossen das abschaffe, was kein „naturbedingter Sachzwang“ ist und den Widerspruch zu einem antagonistischen macht: wertmäßiger Reichtum!

Die Arbeitsproduktivität zur Herstellung aller Waren ist heute der äußeren Formhülle des Kapitals längst entwachsen.

Was wir brauchen sind also keine kleinen Reförmchen innerhalb der bunten Warenwelt, sondern eine Revolution der gesamten Verhältnisse im Sinne einer Transformation in neue Vergesellschaftungsformen, die dem heutigen Stand der Produktivität wieder entsprechen. Diese einzig mögliche, weil vollständig richtige Lösung auf der Ebene der Kategorien selbst, kann folglich nur jenseits von „Geld“, „Ware“ und kapitalistischer sowie sozialistischer „Lohn- und Erwerbsarbeit“ (vgl. Kritik am Arbeitsfetisch) liegen und muss gemeinsam, (kollektiv)bewusst und völlig neu entwickelt werden, um mit dem Faktor Zeit wieder natürlich umzugehen (vgl. Die Diktatur der abstrakten Zeit).

Auf die Möglichkeit dieser Lösung – ein „Leben ohne Geld“ – also auch ohne „Waren“ – wurde übrigens schon mehrfach und völlig zu Recht seitens der SEIN Redaktion hingewiesen, was deren Weitblick aus einem der Wahrheit näher stehenden, echten „spirituellen“ Ansatz heraus anzeigt und Anerkennung verdient!

Der ideologische Staubsauger - Sachzwang FM

Dieser Ansatz basiert auf dem alles im Universum verbindenden Grundgedanken, den wir als VIOLETTE 100%ig teilen! Wir sind als Zivilisation und Menschheit eins!!!

Man denke auch an die arbeitsteilige Logik der Fremdversorgung, die jedoch keineswegs zwingend „Geld“ und „Markt“ und „Staat“ nach sich ziehen müssen, wie gern behauptet wird. Ganz im Gegenteil. Nur Fetischkonstrukte wie „Geld“ und „Warenform“ und übrigens auch die „Arbeitsform“ (als angeblich „natürliche“ und überhistorische Größe) sie darstellen (mehr), versuchen Menschen voneinander in „verdinglichter Form“ zu trennen und erzeugen angebliche „Sachzwänge“, auf die sich die „bürgerliche Politik“ meint berufen zu können und denen wir uns dann objektiv zu unterwerfen hätten (hier). Daraus speist sich die Existenz und Bedeutung von Ideologien im menschlichen Bewusstsein (hier). Sie rechtfertigen derartige, nur historisch zu begründende, „gesellschaftliche Fetischkonstitutionen“ und legitimieren damit Herrschaftsverhältnisse, die ihrerseits wiederum versuchen das jeweilige „Fetischsystem“, als dessen eigene Existenzgrundlage, aufrecht zu erhalten.

Das ist also das Wesen dessen, was wir gegenwärtig in der weltweiten Politik allerorts erleben und täglich auf Farbbildschirmen zu Hause beobachten können. Was da gerade passiert ist lebendige Geschichte, die augenblicklich geschrieben wird – übrigens komplett im Gegensatz zu „neoliberal“ und „posthumanistischer“ Wahrnehmung und Vorhersagen von Theoretikern wie z.B. Friedrich Merz mit seinem Bestseller „Mehr Kapitalismus wagen“ (2008) oder z.B. Francis Fukuyama der zuvor nicht nur „Das Ende der Geschichte“ (1992), sondern sogar allen Ernstes „Das Ende des Menschen“ (2002) postuliert hatte.

Wenn die Menschen nicht endlich aufwachen, sondern solchen Demagogen weiterhin „Glauben“ schenken und folgen, könnte Letzteres sogar eintreten. Deshalb sind wir alle aufgefordert, dem entschlossen zu begegnen und für etwas wahrhaft Neues in einer lebenswerten Zukunft einzutreten!!! Was historisch für uns alle ansteht ist ein grundlegender, „ontologischer Bruch“ mit unserer Produktions- und Lebensweise (mehr).

Frühlingsmärchen 2012

Wer diese Idee einer vom „Geldfetisch“ befreiten Gesellschaft symbolisch unterstützen möchte, kann das bereits hier tun (mehr).

Eines der wichtigsten Ergebnisse der wertkritischen Theorie mit zahlreichen Argumenten zur Aufhebung des „Arbeitsfetisch“ findet man hier (mehr).

Wer mehr über ernsthafte Kapitalismuskritik erfahren möchte, kann sich hier in die Tiefe der Grundlagen sowie geschichtlichen Abläufe, in die Thematik einlesen (mehr).

Audiomitschnitte von Radiosendungen und Vorträgen zur Kapitalismuskritik und Ideologiekritik bietet „SACHZWANG FM“ – das „Audioarchiv kritischer Gesellschaftstheorie“ (hier und hier).

Selbst das ZDF diskutiert mittlerweile das Thema „Ideen zum Ende des Kapitalismus“ und zeigt Hoffnungen, Ängste, Befürchtungen (hier).

Wer die Transformationsbewegung auch physisch und mental bei Demonstrationen unterstützen möchte, kann sich bei der Initiative „FRÜHLINGSMÄRCHEN 2012“ (hier) und bei der genannten OCCUPY-Bewegung (hier und hier) beteiligen.

Anfragen zu Vorträgen, Seminaren und Diskussionsrunden können an den Autor gerichtet werden bzw. findet man bei den öffentlichen Terminen der Violetten in der Spalte oben rechts.

Autor: Holger Roloff, 25.Oktober 2011

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Nachtrag vom 29.12.2013: So langsam setzen sich wohl endlich wertkritische Sichtweisen durch – selbst beim 2013 neu gewählten Papstes Franziskus, der ganz andere Schlussfolgerungen zu ziehen in der Lage ist – hier am Bespiel des bei JUNGE WELT Online veröffentlichten Artikels „Dem Kapital an die Wurzel“ (hier).

Nachtrag vom 22.10.2015: so sieht Kapitalismus z.B. in Argentinien aus (hier) und als (PDF)

Darum werden Erspartes und Rente nichts mehr wert sein! …am Ende dieser Video-Cut-Compilation geht Harald Lesch auf den obigen Ausgangsartikel ein (Video hier)

Dieser kritischer Vortrag zum linkskeynianistischen Kapitalismus vom Autor Thomas Ebermann sei allen empfohlen, die noch der Illusion von der „guten alten Marktwirtschaft“ der 1960er/70er Jahre anhängen und meinen, das könne man wieder in Deutschland zurück bekommen (hier) Er irrt selbst nur darin, die Krise nicht als „finale Krise des Kapitals “ zu erkennen, denn entscheiden ist nicht die Frage, ob weltweit irgendwo noch neue Arbeitskräfte ans Kapital gebunden werden können, sondern auf welchem Produktivitätsniveau das Kapital sich versucht zu reproduzieren und wohin es sich langfristig bewegt. Die wertseitige Kompensation kann keine dauerhafte sein, weil die stofflichen Ressourcen und Anzahl der Erdbewohner endlich sind.

Diktatur der Alternativlosigkeit – dem Kapitalismus als Gesellschaftsform der warenproduzierenden Moderne wird von der Zivilgesellschaft der Prozeß gemacht – Bericht bei JUNGE WELT (hier) und Webseite (hier)

Vom Verfallsdatum des Kapitalismus – Ein Vortrag von Robert Kurz gehalten bereits 2009 (hier)

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