Sind die (Schild-)Bürger (un)beweglich…?

Haus im Park

Hier ein paar Impressionen und subjektive Eindrücke, gesammelt vom Wirtschaftsautor Holger Roloff:

Ich besuchte abends am 03. Mai 2011 in Hamburg-Bergedorf die Podiumsdiskussion im „Haus im Park“ (Körber Stiftung) zum Thema „Sind die Finanzmärkte (un)beherrschbar?“.

Schon die Fragestellung ist ja komplett systemimmanent, um nicht zu sagen unzureichend und blöd. War aber dennoch interessant, so als soziales Forschungsprojekt, um sich mal anzuschauen, wie das (noch) gesittete Mittelschichts- und Bildungsbürgertum die Probleme wahrnimmt, reflektiert und diskutiert, (noch) ohne sich gegenseitig ans Jacket zu wollen und die Augen blau zu kloppen. Ein einziges, großes Stelldichein von Unwissenheit und kompletter Ahnungslosigkeit, sag ich nur. Oberflächenphänomene, die wir seit Jahren kennen, wurden, wenn sie ausgesprochen wurden, wie eine kleine Revolution angesehen und beklatscht. Die hatten die Hosen symbolisch gesagt sozusagen so randvoll, dass man sich kaum traute sich weiter zu bewegen, damit nichts davon überschwappt und nach außen sichtbar wird.

Prof. Wolfgang Berger (Karlsruhe), einer der Talk-Gäste (war auch auf dem Geldkongress in Berlin gewesen), war neben einem attac-Vertreter von der FU Berlin wie erwartet relativ am kritischsten, schlug sich dann aber doch lieber zu 100% auf die Seite pro-Marktwirtschaft und fühlte sich „politisch“, wie er sagte, teilweise in der Nähe zum CDU-Bundespolitiker Otto Bernhardt wohl, der sich deutlich „gegen alle Experimente“ aussprach, welche dem System schaden könnten, welches „uns die letzten 60 Jahre doch so einen Wohlstand gebracht hat“, wie er es formulierte. Es war unverkennbar, dass beim CDU-Mann, persönlich bekannt mit Frau Merkel und Herrn Ackermann, wie er durchblicken ließ, die Büchs besonders gut gefüllt war (s. oben).

Danach traf ich noch eine Dame von attac, die sich „dort hingezogen fühlte“ und mit einer kindlichen Naivität versehen, Herrn Olaf Meuser, Chef der Deutschen Bank Hamburg ein Lob aussprach, weil er „…trotzdem als Banker so ehrlich und authentisch rüber kam“. An dem Punkt hatte sie geistig wohl schon wieder aus ihrem Bewusstsein verdrängt, dass der attac-Vertreter Herr Sharjah vorher nicht umhin kam festzustellen, dass die Deutsche Bank kein Problem damit hatte, mit „Moral und Ethik“ im Rücken Verbrechen gegen die Menschheit zu begehen, indem sie zu Spekulationszwecken Nahrungsmittelfonds für ihre Kundenklientel anbot und aktiv bewarb. Die Veranstaltung dauerte zwei Stunden. Das ist scheinbar inzwischen schon genug Zeit zum Vergessen. Soviel zum Thema Erinnerungshorizont des Kleinbürgertums.

PS:  Die Veranstaltung war sehr gut organisiert und auf außerordentlich gute Resonanz gestoßen, was sich im Publikumsandrang zeigte! Der Veranstaltungsort war top und hätte inhaltlich besseres verdient gehabt… Bei der Fragestellung war aber leider auch nicht mehr zu erwarten gewesen. Wenigstens stellte sich Herr Wolfgang Berger als sehr zuvorkommend heraus und bot mir an, Material zu wirtschaftlichen und wirtschafts-mathematischen Fragen zur eigenen Prüfung zur Verfügung zu stellen. Herzlichen Dank dafür schonmal an ihn!!!

Hier plaudert ein Politischer-Kabarettist mal über seine Beweggründe und Einsichten aus mehreren Jahrzehnten Beobachtung der Politik (Video). Sehr lesenswert auch die Fakten unter dem Video (auf MEHR ANZEIGEN klicken).

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