Was bedeutet ein Epochenwechsel?

Natürlich vermag heute noch niemand genau darzustellen, wie eine Gesellschaft nach dem heutigen Kapitalismus tatsächlich in der Praxis aussehen und funktionieren wird. Das wird allein durch den Wettstreit der Ideen, Ideologien und den daraus sich entwickelnden Ablauf der menschlichen Geschichte bestimmt. Zwei Dinge lassen sich aber heute schon sagen:

1. Eine andere Welt – eine andere Vergesellschaftungsform – ist möglich.

2. Wir stehen vor einem grundlegenden Epochenwechsel.

Ein Epochenwechsel ist sowas, wie der historische Übergang vom Mittelalter zur bürgerlichen Gesellschaft. Das was jetzt auf uns zukommt, was schon am Horizont wage sichtbar zu werden beginnt, hat eine andere Qualität, ein andere Wesen. Es geht nicht nur um eine weitere Änderung des Modus von Kapitalismus oder gar einen rein politischen Wechsel an dessen parlamentarischer Spitze oder in den Vorständen und Aufsichtsräten der Konzerne. Selbst der Wechsel zum politischen Sozialismus – einem ideologischen Ableger und Derivat der Kapitalismus, ist heute keine wirkliche Alternative mehr. Sozialismus könnte, wenn überhaupt, nur eine Übergangsphase darstellen, auf dem Weg zu etwas ganz Neuem, von dem wir den Namen noch nicht kennen.

Warum ist Sozialismus keine dauerhafte Alternative? Woran lässt sich das festmachen?

Sozialismus hieße, als Gesellschaft ein anderes Ziel auszurufen, nämlich die sozialen Verhältnisse auf breitem Feld für alle Menschen stetig verbessern zu wollen und sich dafür der Mittel der Wirtschaft und Politik zu bedienen. Immerhin!

Das wäre – zumindest in Teilen – schon mal etwas Anderes, als rein dem Selbstzweck der Geldvermehrung zu folgen, ohne dies an soziale Ansprüche zu knüpfen, so wie wir es seit 1990 erleben konnten. Mit dem Wegfall des Ostblocks und seinem gescheiterten Versuch, einen Realsozialismus dauerhaft zu etablieren, verlor der Westen stufenweise seinen Anspruch, zumindest in Teilen auch soziale Zugeständnisse zu machen.

Anstatt sich irrationaler weise an abstrakten bis lebensfeindlichen Aktienkursen bewusstlos zu applaudieren, sollte man lieber erneut den Kurs konkreter, sozialer Verbesserungen in den Fokus der öffentlichen Aufmerksam rücken…am besten auf allen Ebenen. Ein derartiger, „demokratischer Sozialismus“ wäre zumindest schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Er hätte z.B. die Chance eine andere Moral und Ethik zu entwickeln. Das könnte die Grundlage für den nächsten, entscheidenen Schritt darstellen.

Epochenwechel und GeschichteBis zur vollständigen Befreiung von den Zwangsverhältnissen und Zumutungen des Kapitals, wären nämlich weitere Schritte notwendig. Denn – Sozialismus hebt die wertmäßigen Grundlagen des Kapitals – vor allem das Wertschöpfungsprinzip – noch nicht auf. Man wäre ökonomisch noch immer gefangen im alten, kapitalistischen Prinzip der Warenform und des Tauschwertes, was sich – auch wenn mit gesamtgesellschaftlicher Planung – noch am Weltmarkt zu behaupten hätte. Genau daran ist, im Zusammenspiel mit verweigerten Bürgerrechten, fehlender Pressefreiheit und ideologischer Bevormundung, jedoch jener Realsozialismus im Osten ab 1989 gescheitert. Er entsprang historisch bedingt aus dem Trümmern des 2. Weltkrieges und bewegte sich dadurch zwangsläufig in einer Sphäre der nachholenden Modernisierung, abgeschnitten von vielen Patenten, Rohstoffen, Wissen und Möglichkeiten mangels ausreichend Kapital in Form von international akzeptierter Valuta (Westgeld, vgl. hier https://de.wikipedia.org/wiki/Westgeld). Dazu addierten sich die eigenen, hausgemachten Fehler, ähnlich wie heute. Nur die Fehler sind heute sachlich andere.

Sozialismus hätte zwar ein anderes Ziel, bliebe im Außen aber weiter befangen in den Strukturen der Weltmarktkonkurrenz, während der Kapitalismus sich nach innen und außen nicht den gleichen humanistischen Grundprinzipien unterwerfen müsste, wie der Sozialismus. Ein Kapitalist muss auf die Menschen nicht so viel Rücksicht nehmen. Das „Hire and Fire“-Prinzip wäre (zunächst) jeder Form von sozialer Rücksichtnahme tendenziell überlegen. Sozialismus würde Gefahr laufen, langfristig erneut in der globalisierten Konkurrenz zu scheitern. Ein weiterer Grund, warum sich der Westen längst scheibchenweise von der ehemaligen „sozialen Marktwirtschaft“ verabschiedet hat, auch wenn diese rhetorisch gern wieder aufgerufen wird. Hört sich irgendwie immer noch gut an, denn es klingt so ähnlich wie Sozialismus…

Wie kann man diesem Dilemma entkommen? Was wäre der nächste Schritt?

Es stellt trotz dieser plausiblen Einwände einen Unterschied dar, ob sich die Masse der Bevölkerung weiter unter den Bedingungen und Zumutungen lohnabhängiger Beschäftigung, zumal unter der Tendenz zur Prekarisierung, in ihren Lebensverhältnisse gefangen halten lässt, oder ob sich die Zügel deutlich lockern, gelebte Basisdemokratie durchsetzt und wachsender Wohlstand, den alle im Alltag zu spüren bekommen, zu entwickeln vermag. Die Schere zwischen Arm und Reich würde sich in so einem neuartigen, „demokratischen Sozialismus“ zu schließen beginnen. Das Vertrauen würde dadurch wachsen, die Motivation steigen. Ebenso die daraus neu erwachsenen Ansprüche, insbesondere hinsichtlich der Freiheiten, die man noch gerne hätte, um sie zukünftig noch sinnvoller, ökologischer und sozialer nutzen zu können, als es der rein auf Gewinn orientierte, sich an der Marktkonkurrenz abarbeitende Kapitalismus vermag. Kapitalismus funktioniert nur über staatliche Gewalt, Androhung von Sanktionen und Ausbeutung. Dessen Schwäche – die systemische Blindheit für andere Wege und Werte, würde ihm allmählich zum Verhängnis werden.

Sozialismus hingegen – besonders bei einem in Sachen Produktivität und Technologien hoch entwickelten Land wie Deutschland – könnte aktiv, sowohl von der breiten Basis her, als auch als Ziel von der politisch-demokratischen Spitze aus, bewusst dafür entscheiden, die Warenförmigkeit und damit das Wertschöpfungsprinzip zu verlassen. Ist dieser Gedanke erstmal in der Welt und die Möglichkeit ins Auge gefasst, stellt man schnell fest, dass viele derartige Wege existieren. Sie laufen darauf hinaus, durch kluge, weitsichtige Investitionen, sich allmählich unabhängiger vom Kapital und der Geldform zu machen. Diese Wege sind längst gedacht, konzeptioniert und warten auf die öffentliche Diskussion sowie auf die Konkretisierung zur realen Umsetzung. Alles was wir brauchen ist in der Theorie längst vorhanden. Es wird bislang nur von zu wenigen wahrgenommen. Die bürgerliche Politik ignoriert sie bis heute völlig.

Diese Festellungen sind dennoch kein Plädoyer für Sozialismus. Denn – fängt man erst mal an, neu darüber nachzudenken, wie Gesellschaft sein könnte, wird einem schnell klar, dass es nicht mal den Zwischenschritt Sozialismus bräuchte, um dorthin zu kommen, wo manche Vorreiter bewusstseinsmäßig heute schon sind. Gesunder Menschenverstand reicht eigentlich völlig aus. Doch wer hat den noch inmitten von Konsumrausch, Arbeitswahn und Fernsehen auf sinkendem Niveau?

Jeder Leser möge sich selbst fragen, in wie weit sie oder er sich schon über all das informiert hat und wie offen jeder dafür ist, andere Gedanken an sich heran zu lassen und mal die eigene Fantasie zu bemühen. Die Welt könnte ganz anders aussehen!

Sich ergänzende Anregungen in diesem Sinne sind die Ideen wie die Institution der MONETATIVE, des degrowth (ökologisch sinnvolle Wirtschaftsschrumpfung) in Form einer Ressourcenwirtschaft, die Möglichkeiten des COMMONING und als Übergang dahin ein Grundeinkommen, solange wir noch in der warenförmige Alltagslogik verharren und übergangsweise noch Geld benötigen.

Ressourcenwirtschaft anstatt Marktwirtschaft – eine WIRTSCHAFTSVISION:

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2013/11/Wirtschaftsvision_Die-Violetten_Okt.2013.pdf

Rolle des BGE beim Übergang vom Kapitalismus zum Postkapitalismus

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2017/07/BGE-Wirtschaftsvision-Ergänzung.pdf

COMMONS einfach erklärt und News zum gesellschaftlichen Wandel:

Hauptsache-COMMONS.de

Holger Roloff


Was wundert ihr euch über acht Superreiche? Autor Daniel Kerekes reflektiert ähnliche Fragestellungen bei DIE FREIHEITSLIEBE (hier) und (PDF)

Schauspieler Matt Damon regt zum Nachdenken an  und reflektiert blinden Gehorsam und zivilen Ungehorsam. Was davon brauchen wir? (Video) [Hinweis: Es geht wie bei allen Links nur um diesen einen Beitrag. Wir distanzieren uns wie immer ausdrücklich vom anbietenden Kanal und dessen sonstigen Inhalten und der politischen Haltung, mit der diese dort präsentiert werden! An falschen Querfronten besteht unsererseits kein Intresse!]

Gerd Bedszent Buch Wirtschaftskriminalität 2017

Warum Verbrechen im Kapitalismus den Normalzustand darstellen beleuchtet eine Buchbesprechung vom Autor Thomas Meyer zum neuen Buch von Gerd Bedszent mit dem Titel »Wirtschaftsverbrechen und andere Kleinigkeiten« (hier)

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