Der Papstbesuch – ein böser Fluch…?

Im September 2011 findet in der deutschen Hauptstadt Berlin ein sehr umstrittenes Ereignis statt, welches in der öffentlichen Diskussion Befürworter, Skeptiker, Kritiker und Gegner findet – ein Besuch und eine Rede des deutschen Papstes im Deutschen Bundestag. Ich lasse da jeden lieber selbst entscheiden, welche Argumente auf welche Waagschale zu legen sind.

Fest steht jedoch rein formal: …mal abgesehen davon, dass seine Heiligkeit, das patriarchale Halbgottum auf Erden zu wissen meint, was „Gott“ tatsächlich will und die Menschen in Kategorien wie „Sünder“ und „Gläubige“ einteilen zu können, kommt Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI, nicht nur als Gottes Vertreter auf Erden und Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche, sondern auch als Staatsoberhaupt des Staates Vatikanstadt – genauer als dessen undemokratischer „Absoluter Monarch“ – nach Berlin. Insofern stellt dieser Staatsbesuch durchaus ein Politikum dar.

Aber was viel wichtiger ist – ist er mit all seinen Institutionen, Wertvorstellungen und seinem Einfluss auf Glauben und Denken von Millionen Menschen tatsächlich das moralisch-ethische, ja sogar das spirituelle Vorbild?

Vermutlich sprechend die Fakten für sich allein. Hier einige aussagekräftige Beispiele aus einer endlosen Reihe:

[1: Der Vatikan als Drehscheibe für Mafiagelder, Schmiergeldzahlungen und Steuerhinterziehung]

[2: Da ist selbst der Papst verblüfft: Italienische Fahnder haben 23 Millionen Euro vom Konto der Vatikanbank beschlagnahmt und erheben schwere Vorwürfe gegen Vertraute des Heiligen Vaters.]

[3: Die Geldwäscher Gottes]

Es stellt sich deshalb berechtigt die Frage, welchen Zweck so ein politischer Besuch erfüllen soll? Vermag der Papst den bürgerlichen Politikern in Zeiten der Krise mit diesem fragwürdigen „ethischen“ Hintergrund tatsächlich „moralisch“ den Rücken zu stärken? Oder ziehen sich da nicht vielmehr Personen in Ämtern auf der gleichen Wellenlänge an? Wie gesagt – jeder möge selbst entscheiden… Ich denke aber – das passt schon irgendwie…denn abgesehen von schönen Sprüchen und Reden heißt es doch angeblich in der  Bibel: „An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.“

Wenn der Vatikan ein Akteur innerhalb des europäischen Kapitals ist, dann vermag ich zumindest eines anzumerken: …deutsche Ökonomen und Politiker erwähnen durchaus gelegentlich, dass Deutschland einer der „großen Gewinner der Globalisierung“ sei – wobei sie meistens verschweigen, dass Deutschland somit Nutznießer der Verschuldungsproblematik ist (also quasi ein „Sünder“, unzwar ein ganz großer bzw. der größte in Europa überhaupt – als so genannter „Exportweltmeister“), denn die Exportüberschüsse deutscher Konzerne sind stets die Schulden anderer Länder – wie beispielsweise Griechenland (mehr).

Insofern mutet es wie ein „böser Fluch“ an, dass der Papst ausgerechnet Deutscher Herkunft ist und jetzt Berlin besucht, wo über den „Euro-Rettungsschirm“ (mehr) und „geordnete Staatsinsolvenzen“ verbindlich zu entscheiden ist. Angesichts des Zusammenhangs mit der Krise des Kapitalismus könnte man also auch sagen: ein „kleiner Sünder“ besucht den „allergrößten Sünder“, um ihm „moralische Absolution“ zu erteilen! Die in letzter Zeit oft etwas sprachlose Kanzlerin Angela Merkel (mehr) wird sich, nicht zuletzt als Vertreterin einer christlichen Partei, sicher über das Vergeben ihrer fiskalisch-politischen „Sünden“ freuen. Doch ob das gelingen kann? Na, das hat ihm dann sicher „Gott“ aufgetragen, dass das jetzt notwendig sei und zumindest formal gelingen wird, womit sich der Kreis (s. zweiter Absatz oben) schließt.
Autor: Holger Roloff

Nachtrag vom 29.12.2013: Die im Ausgangsartikel formulierte Kritik bestätigt sich nun im Nachhinein auch durch die Denkweise des 2013 neu gewählten Papstes Franziskus, der ganz andere Schlussfolgerungen zu ziehen in der Lage ist – hier am Bespiel des bei JUNGE WELT Online veröffentlichten Artikels „Dem Kapital an die Wurzel“ (hier).

Hier plaudert ein Politischer-Kabarettist mal über seine Beweggründe und Einsichten aus mehreren Jahrzehnten Beobachtung der Politik (Video). Sehr lesenswert auch die Fakten unter dem Video (auf MEHR ANZEIGEN klicken).

Hat die Kanzlerin Alzheimer? Kennt sie keine Geschichtsbücher? – ein Bär philosophiert über politische Zusammenhänge der Weltgeschichte (Video)

Merkels „Konzept“ basiert auf dem Wunsch „marktkonformen Demokratie“ (also der Diktatur des Marktes). Ihre Art von Politik ist eine der inhaltsfernen Politiklosigkeit, voll mit Widersprüchen in sich selbst. Das spiegeln auch Umfragen wider. Dafür hat sie einen „Duktus“ – Politkabarettist Volker Pispers klärt auf (hier)

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Author: Holger

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